DEUTSCH: Effektiver Altruismus auf den zweiten Blick

For those who don’t understand German: I’m planning (and hoping!) to write an English post about Effective Altruism soon, especially about the problems I (still!) have with it and the things I nevertheless agree with in there. But seen that there’s lots of English material out there already, I encourage you to look for yourselves in the meantime 🙂 

Das hier ist eine Antwort auf Sabrinas Post ĂŒber Effektiven Altruismus.

Als Hintergrund: ich wĂŒrde mich selber nicht unbedingt als Effektiven Altruisten (EA) bezeichnen, vor allem nicht, wenn es dabei um bestimmte Organisationen geht. Ich finde aber die Idee, unsere Ressourcen möglichst gut einzusetzen, sehr sinnvoll, und habe in der Unterhaltung mit EAs (vor allem auf der EAG Global Konferenz) viele interessante Anreize mitbekommen. Ich werde erst versuchen, ein paar deiner Fragen aufzugreifen, und dann meinen eigenen Senf dazugeben 😉

[Entschuldige, dass alle meine Links auf Englisch sind, ich kenne leider die deutschen Materialien (noch) nicht so gut]

1.) “Aber was, wenn ich den grĂ¶ĂŸten Teil meines Lebens mit wohltĂ€tiger Arbeit verbringe? Sollte ich dann wirklich genau dort arbeiten, wo ich am meisten bewirken kann, selbst wenn es mich unglĂŒcklich macht?”

Ich kenne keinen EA, die/der denken wĂŒrde, dass ein Burn-Out irgendwem hilft! Speziell wenn es darum geht, den Großteil deiner Zeit wohltĂ€tig zu sein, ist 80.000 hours wirklich hilfreich. Was sie “personal fit” nennen, ist teilweise eine Antwort auf deine Frage: Wenn man nicht glĂŒcklich in seinem Job ist, ist man wahrscheinlich nicht so gut wie man woanders sein könnte – die ganze Kunst besteht also darin, die BeschĂ€ftigung zu finden, in der der eigene Charakter am meisten erreichen kann. (Mehr dazu auch hier, wo es explizit darum geht, sich erst mal um sich selber zu kĂŒmmern, bevor man anderen helfen kann).

Dass das Thema auch in der “EA Community” viel diskutiert wird, kann man zum Beispiel in diesem Artikel sehen.

2.) “Aber wĂ€re es nicht noch effektiver, einen Wandel auf gesellschaftlicher Ebene anzustoßen?”

EAs diskutieren viel ĂŒber gesellschaftlichen Wandel, gerade weil es so eine spannende Frage ist und potenziell viel effektiver sein könnte als Geld zu geben. Ein paar Punkte, die ich aus GesprĂ€chen mitgenommen habe, ist, dass es hilfreich ist, genau zu definieren, was man mit gesellschaftlichem Wandel meint – zum Beispiel, ob es darum geht, die Ansichten von Leuten zu Ă€ndern, oder vielleicht gleich den ganzen Kapitalismus abzuschaffen. Ich habe mich noch nicht genĂŒgend mit dem Thema beschĂ€ftigt (kommt hoffentlich noch!)

Wie man es bei so einer bedachten Bewegung erwarten kann, gibt es viele verschiedene Antworten auf deine Frage! Viele EAs versuchen momentan, genau das herauszufinden. Eine Liste kannst du in diesem Artikel (“Effective altruists love systemic change“) finden.

Allerdings habe ich auch ein Gegenargument (“Beware systemic change“) gefunden.

Der Artikel ist etwas Arbeit zum Durchlesen, deswegen unten ein paar Ausschnitte. Die generelle Idee scheint zu sein, dass wir potenziell mehr Schaden anrichten, wenn wir nach “systemic change” rufen, und dass “man vs. nature” (also zum Beispiel Krankheiten bekĂ€mpfen) sicherer ist, als “man vs. man” Konflikte anzufangen. Auch hier finde ich es wohl hilfreich, im Hinterkopf zu behalten, worum es uns bei “systemic change” geht (ich habe so das GefĂŒhl, dass das bei dir anders aussehen könnte als bei ihm – wĂŒrde mich ĂŒber eine ErklĂ€rung freuen!)

“Highly educated people used to studying science might just be more likely to fall for the streetlight effect and go with the side that promises more quantifiability, rather than the side more likely to be right.”

“A quick run through the history books shows that smart people trying to effect systemic change have an imperfect track record. I won’t say that they’re unusually bad compared to other demographics, but certainly nothing as stellar as the “let’s just not be morons” theory might lead one to expect.”

“There are many more ways to break systems than to improve them.”

“if everyone gave 10% of their income to effective charity, it would be more than enough to end world poverty, cure several major diseases, and start a cultural and scientific renaissance. If everyone became very interested in systemic change, we would probably have a civil war.”

3.) Ein letzter Punkt, der mir besonders am Herzen liegt! Erst als ich auf der EA-Konferenz war, hatte ich das GefĂŒhl, den Anreiz der Bewegung zu verstehen. So lange mir spezielle Antworten prĂ€sentiert wurden (zB “Spende Organisation X”), fand ich das nicht besonders spannend, und ich hatte immer ein bisschen das GefĂŒhl, dass damit auf mich herabgesehen wird (“Sobald du erstmal wirklich rational bist, wirst du das auch sehen”). Dann, als ich EAs wirklich kennen gelernt habe, hat sich mein Bild verĂ€ndert – ich habe gesehen, dass sich EAs in vielen verschiedenen Bereichen engagieren und neugierig und offen auf meine Bedenken reagiert haben. Ich habe sogar auch dazu eine tolle Zusammenfassung gefunden, und zwar den Artikel “Effektiver Altruismus als Frage, nicht als Antwort“. Damit bin ich voll und ganz einverstanden, genau wie mit der Grundauffassung, die ich bei allen EAs angefunden habe. Ich formuliere das als “Deinen Verstand benutzen, um (so viel wie möglich) Gutes zu tun”. Es ist zu erwarten, dass spezielle Moralprinzipien unterschiedlich aussehen, und zum Beispiel dass wir unterschiedliche PrioritĂ€ten haben (zum Beispiel denke ich nicht, dass ich plötzlich nur noch nach Afrika spenden und nicht in der eigenen Gemeinde oder an mir selber arbeiten sollte).

 

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